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Die ersten Jahre des Flughafens Stuttgart

1939-1945

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Foto: Achim Zweygarth
Von November 1944 bis Januar 1945 haben 600 jüdische Häftlinge im KZ-Außenlager Echterdingen schuften müssen - sie mussten Bombentrichter verfüllen, im Steinbruch arbeiten und Straßen vom Flughafen zur Autobahn bauen. 119 Männer starben an den unmenschlichen Bedingungen im Lager. Im Herbst 2005 sind 34 d...

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Die ersten Jahre des Stuttgarter Flughafen waren gleich die dunkelsten in seiner Geschichte. Denn die Eröffnung fiel in den September 1939, bald fielen Bomben auf das Rollfeld. Zwangsarbeiter mussten dort schuften, 119 KZ-Häftlinge sind am Flughafen umgekommen.

Von Thomas Faltin

Nach nur dreijähriger Planungs- und Bauzeit war der Flughafen im September 1939 eingeweiht worden. Er war als ziviler Verkehrslufthafen geplant gewesen, doch schon einige Tage vor Kriegsausbruch hatte die Luftwaffe den Flugplatz übernommen. Zu diesem Zeitpunkt bestand der Flughafen aus einer Landebahn mit 1427 Metern Länge, einem Empfangs- und Verwaltungsgebäude nördlich der Landebahn und vier Abstellplätzen für Großflugzeuge.

Im Laufe der Jahre wurde das Gelände aber kontinuierlich weiter bebaut. Die Lufthansa errichtete eine Werft für ihre Maschinen, Daimler eröffnete eine Erprobungsstelle für Flugzeugmotoren, die Landebahn wurde im Sommer 1942 von einer Graspiste in eine Betonstartbahn umgebaut, und südlich der Startbahn entstanden zwölf Hangars – in einem davon richtete die SS im November 1944 das KZ-Außenlager Echterdingen mit 600 jüdischen Häftlingen ein.

Vom Flughafen Stuttgart aus starteten schon seit Herbst 1939 Aufklärun­gsflugzeuge nach Frankreich; seit dem 10. Mai 1940 flogen von hier aus deutsche Bomber gen Westen, die die Landstreitkräfte im Feldzug gegen Frankreich unterstützten. Trotz dieser militärischen Bedeutung des Flughafens konnte aber lange die zivile Luftfahrt aufrechterhalten werden. Meist beförderten die Maschinen der Lufthansa sowohl Passagiere als auch Fracht und Luftpost. Stuttgart war wichtige Zwischenstation auf der Linie Berlin-Stuttgart-Barcelona-Madrid-Lissabon und zurück. Daneben erhielt die Swiss Air Lines Ende 1941 die Erlaubnis, die Route Zürich-Stuttgart-Berlin und zurück zu bedienen.

Die letzte zivile Maschine aus Stuttgart kam nie an

Der Flughafen Stuttgart war also schon damals von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Region. Im Jahr 1943 waren dort mehrere tausend Menschen, Zivilisten wie Soldaten, auf dem Flugplatz beschäftigt waren. Allein die Horstkompagnie umfasste 2542 Mann Besatzung. Doch mit dem Bombenkrieg kam der Niedergang des Flughafens. Lufthansa-Werft und Daimler zogen bald weg. Der zivile Luftverkehr war fast gänzlich zum Erliegen gekommen – Ende des Jahres 1944 soll es noch einen der letzten Flüge von Berlin über Stuttgart nach Spanien gegeben haben. Die Maschine kam in Barcelona aber nicht an und gilt bis heute als vermisst.

Am Flughafen Stuttgart waren während der Kriegszeit verschiedene Einheiten der Luftwaffe stationiert. In den späteren Kriegsjahren waren vor allem die Tag- und Nachtjägereinheiten von Bedeutung. Sie hatten die Aufgabe, bei Angriffen aufzusteigen, die feindlichen Bomberverbände zu stören und sie zu zwingen, ihre tödliche Fracht außerhalb der Städte oder wichtiger Unternehmen abzuwerfen. Das gelang, wie die schrecklichen Zerstörungen durch Luftangriffe auf Stuttgart beweisen, nur in geringem Umfang. Am Flughafen Echterdingen tauchten erstmals im Mai 1942 drei einzelne australische Wellington-Bomber auf. Weitere Angriffe gab es am 23. November 1942 und am 16. März 1943.

Der erste Angriff war eher aus Versehen

In der Nacht vom 15. auf den 16. März 1943 kam es zum ersten großen Angriff, bei dem auch der Flughafen nennenswerte Schäden zu verzeichnen hatte – 863 britische Bomber hatten den Auftrag, ihre Fracht über Stuttgart abzuladen. Wegen Wolken und starken Windes verfehlte der Angriff das Zentrum weitgehend; die Bomben fielen vorwiegend auf das südliche Gebiet Stuttgarts und eben auch, aber eher aus Versehen, auf den Flughafen.

Bewusstes Bombardierungsziel war der Flugplatz dann am 14. August 1944 – es war der erste und einzige große Angriff auf den Flughafen, was selbst die Bevölkerung damals verwundert hatte. 200 amerikanische Maschinen ließen um die Mittagszeit etwa 300 Brand- und Sprengbomben auf die Fildern niederregnen. Der Ort Echterdingen wurde schwer getroffen. Am Flughafen war die Landebahn von Bombentrichtern übersät und konnte nicht mehr benutzt werden – die Maschinen mussten auf den Grasflächen daneben starten und landen. Auch das Vorfeld des Flughafens war ein einziges Kraterfeld. 15 Soldaten starben bei diesem Angriff.

Jeden Tag gab es Tiefflieger-Angriffe

In der Folgezeit blieben große Angriffe zwar aus, doch fast täglich flogen nun alliierte Tiefflieger über den Flughafen hinweg und schossen mit den Maschinengewehren auf Flugzeuge und Menschen. Selbst der militärische Flugbetrieb war unter diesen Umständen kaum noch möglich. In den Jahren 1944 und 1945 starben bei diesen Angriffen auf den Flughafen weitere acht Menschen, darunter zwei Frauen.

Um den Flughafen in Betrieb zu halten, sind während der Kriegsjahre vermutliche mehrere tausend Fremd- und Zwangsarbeiter eingesetzt worden, deren Schicksale mangels Quellen aber nur sehr schwer zu rekonstruieren sind. Daneben eröffnete das Konzentrationslager Natzweiler im Elsass Ende November 1944 ein Außenlager am Flughafen – 600 jüdische Häftlinge sollten die Startbahn reparieren und Verbindungsstraßen zur nahen Autobahn bauen. Man plante, dort Flugzeuge starten und landen zu lassen. Die Bedingungen in diesem KZ-Außenlager waren so schlimm, dass bis zur Schließung des Lagers am 20. Januar 1945 mindestens 119 der Männer an Hunger, Kälte und brutaler Arbeit im Steinbruch starben.

Heute bis zu zehn Millionen Passagiere pro Jahr

Erst Anfang April 1945 kam der Betrieb am Flughafen Stuttgart endgültig zum Erliegen. Jetzt sprengten die deutschen Truppen einen Teil der Landebahn, um sie nicht den Alliierten zu überlassen. Doch schon seit Ende Januar war der Flugbetrieb fast unmöglich geworden. Der Augenzeuge Gerhard Schlecht berichtet, dass ständig amerikanische Jagdbomber vom Typ P-47 Thunderbold über der Filderebene kreisten und der Flughafen so total observiert war: „Aber auch gar nichts konnte sich dort mehr bewegen, ohne sofort beschossen zu werden.“


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