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Der kleine Schlossplatz - Stuttgarts wahrer Schauplatz

1995-2015

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Zeitzeugen erinnern sich an die legendäre Freitreppe am Kleinen Schlossplatz, die fast zehn Jahre lang, von 1993 bis 2002, der Treffpunkt schlechthin am zentralsten Platz der Stadt war. Auf einmal war die Betondecke über einem Verkehrsknotenpunkt belebt, der Kleine Schlossplatz wurde zum Treffpunkt, die...

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Vor zehn Jahren wurde der umgestaltete Kleine Schlossplatz eröffnet. Eine ganz persönliche Hommage.

Von Ingmar Volkmann

Stuttgart – Eine Stadt definiert sich über ihre unverwechselbaren Orte. Orte, an denen Menschen sich begegnen können, an denen unterschiedliche Milieus, Horizonte und Interessen aufeinandertreffen. Eine Stadt wie Stuttgart, die aus selbstironischen oder sarkastischen Gründen einen hässlichen Stadtplanungsunfall wie den Österreichischen Platz ernsthaft Platz nennt, sollte im Kontrast dazu für einen Ort wie den Kleinen Schlossplatz unendlich dankbar sein. Der Kleine Schlossplatz ist die kleine, großstädtische Schwester des Schlossplatzes. Während unten der Kirchentag wuselt oder die Eislaufbahn genannte Glühweindruckbe­tankungsanlage ihr Unwesen treibt, trifft oben die Jeu­nesse do­rée dieser Stadt zwischen Waranga und Oggi, zwischen Hummer und Hugo aufeinander. Im Abseits kleiden sich Generationen von VfB-Profis seit Kevin Kuranyi, nun ja, standesgemäß ein, während Besucher des Kunstmuseums nach einem erfreulichen Trip in den wunderschönen Glaskubus bei einer urbanen Suppe im San's die Werke von Otto Dix auf sich wirken lassen.

Zeitzeugen erinnern sich mit klopfendem Herzen an die legendäre Freitreppe, die fast zehn Jahre lang, von 1993 bis 2002, der Treffpunkt schlechthin am zentralsten Platz der Stadt war. Auf einmal war die absurde Betondecke über einem Verkehrsknotenpunkt belebt, der Kleine Schlossplatz wurde zum Treffpunkt, die Skater funktionierten eine Röhre ohne Funktion für ihre Zwecke um. Der Waranga-Vorgänger Pauls Boutique wurde von 1995 bis 2002 zum stilbildenden Kristallisati­onspunkt. Einige Sommer lang befand sich hier die wahrscheinlich größte Caipirina-Produktionsstätte Süddeutschlands, der Limetten-Verbrauch am Kleinen Schlossplatz dürfte einer mittleren Südseerepublik zu Reichtum und Wohlstand verholfen haben.

Hier wurde der Caipi einst aus Badewannen geschöpft

Während der Caipi vor Pauls Boutique aus Badewannen heraus geschöpft wurde, trug der Mikrokosmos Kleiner Schlossplatz mit der Bar Switzerland und dem Plattenladen Pauls Musique zur popkulturellen Erziehung einer ganzen Generation bei. Bevor Pauls Boutique und der Vorgänger 551 der Beton-Brache Leben einhauchen konnten, war der Platz von Tauben und Kleindealern bevölkert. So besingen Massive Töne in ihrer Stuttgart-Hymne Mutterstadt 1996 Pauls Boutique und den Banker, der hier Sekt schlürft, nachdem er zuvor beim Straßendealer Gras gekauft hat. Pauls Boutique steht heute noch stellvertretend für die Feierkultur der 90er-Jahre und bildete damals mit dem Palast der Republik und dem Unbekannten Tier das Ausgeh-Bermuda-Dreieck der Landeshauptstadt. Am Kleinen Schlossplatz entstand die Blaupause für den Einzug des DJs in die Barkultur. Was heute gang und gäbe ist, war damals neu.

Modisch und musikalisch sind die Meter zwischen Kunstmuseum, Waranga und Oggi heute ein einziger Schauplatz. Wenn an einem lauen Sommerabend ein Windstoß über den Platz weht, wenn der Blick von der obersten Stufe der Freitreppe über den Schlossplatz bis zur Baustelle des Stadtmuseums schweift, fühlt sich diese Stadt ganz schön gut an. Das finden auch die Anrainer. „Uns wäre es nur recht, wenn sich der Platz wie der Marienplatz entwickelt, als belebter Ort für alle. Eine Anlaufstelle für Nachtschwärmer ist der Platz schon“, sagt David-Benjamin Knoll.


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