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300 Jahre Tritschler am Marktplatz

2015

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Das Haushaltswaren­geschäft Tritschler ist seit bald 300 Jahren am Stuttgarter Marktplatz präsent. Das hat ein Historiker herausgefunden, der ein Nachfahre der Gründerfamilie ist. Edgar Hermann Tritschler weiß auch, womit seine Vorfahren Erfolg hatten.

Von Sven Hahn

Der Erfolg des ältesten Einzelhändlers der Landeshauptstadt basiert im Grunde auf Asche – auf Pottasche, um genau zu sein. Das Unternehmen Tritschler, das heute hochwertiges Porzellan, Kochgeschirr und Espressomaschinen verkauft, hat seinen Ursprung in den Glaswerken des Hochschwarzwalds. Die Pottasche, die das Schwarzwälder Glas grün färbte, war der Wettbewerbsvorteil, aus dem sich Anfang des 18. Jahrhunderts das Ladengeschäft am Stuttgarter Marktplatz entwickeln konnte. Inzwischen geht das Einrichtungshaus auf sein 300-Jahr-Firmenjubiläum zu.

Mit Blick auf ein solches Jubiläum würde wohl jedes Unternehmen sich darum bemühen, mit einer eindrucksvollen Festschrift zu reüssieren. So auch Tritschler. Dafür will ein Wirtschaftswis­senschaftler und Historiker sorgen – auch aus familiären Gründen. „Ich bin einer der Nachfahren der Unternehmensgründer“, sagt der Professor Edgar Hermann Tritschler, der an der Hochschule für Medien gelehrt hat. Über die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Schwarzwalds sei er auf seine neue Aufgabe gestoßen, sagt Tritschler. „Seit einem Jahr bin ich damit beschäftigt, im Firmenarchiv zu arbeiten – zusätzlich bin ich im Landes- und Staatsarchiv.“

Grünes Glas aus dem Schwarzwald

Angefangen hat das Geschäft in der Landeshauptstadt für die Schwarzwälder als sogenannte Glasträger. „Junge Männer im Alter von 16 bis 18 Jahren haben das Glas vom Hochschwarzwald zu Fuß nach Stuttgart transportiert“, berichtet Tritschler. „Die Reise hat mehr als drei Tage gedauert“, erklärt der Historiker. Um diese Reisezeit anhand der nötigen Übernachtungen nachzuweisen, hat sich der Geschichtsprofessor historische Gästelisten des Hotel- und Gaststättenver­bandes schicken lassen.

Einmal in der Stadt angekommen, stellten die Glasträger aus dem Schwarzwald eine unliebsame Konkurrenz für die Hersteller aus Stuttgart dar. „Die Apotheker wollten aber unbedingt das grüne Glas aus dem Schwarzwald, da es den Inhalt der Flaschen vor Licht schützte“, so Tritschler. Die Pottasche wurde zum Wettbewerbsvorteil.

Mehr als 290 Jahre am Marktplatz

Den Beginn des Handelsgeschäfts am Marktplatz kann das Unternehmen für das Jahr 1723 sicher belegen. „Das sind inzwischen mehr als 290 Jahre am Platz“, erklärt Tritschler. Die längste Zeit davon stand das Unternehmen unter der Ägide von zwei Familien – den Tritschlers und den Mayers, zu deren Familie auch der 1987 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochene Jesuitenpater Rupert Mayer gehört. Nach dem Geistlichen, der zum katholischen Widerstand gegen das Dritte Reich gehörte, ist der Platz vor der Marienkirche im Stuttgarter Süden benannt.

Seit 1972 liegt die Unternehmensführung nicht mehr in den Händen der Tritschlers und der Mayers. Die damalige Chefin Ingrid Mayer, von Beruf eigentlich Hebamme, berief 1972 ihren Prokuristen Werner Breuninger zum Geschäftsführer. Nach dessen Tod 2001 trat sein Sohn Thomas Breuninger die Nachfolge als geschäftsführender Gesellschafter an.

Das Geheimnis des Erfolges liegt im Wandel

Thomas Breuningers Aufgabe ist es nun, das Traditionshaus Tritschler in Zeiten von Shoppingcentern, Onlinehandel und zunehmender Probleme im inhabergeführten Einzelhandel weiterzuführen – und befindet sich an vorderster Front. Der Stuttgarter Marktplatz steht wie kaum ein anderer Ort für den aktuellen Wandel im Handel. Traditionsbetriebe wie Spielwaren Kurtz, der Schreibwarenhändler Haufler und das Café Scholz mussten jüngst weichen. Sie haben Platz gemacht für internationale Firmen und Ketten wie Nespresso, Schlossberg und Thomas Sabo. Tritschler ist einer der wenigen verbliebenen Fixpunkte rund ums Stuttgarter Rathaus.

Mit Blick auf die Zukunft seiner Firma erklärt Thomas Breuninger heute: „Der Onlinehandel wird sicher an Bedeutung zunehmen. Doch ich bin mir sicher, das unsere Produkte auch in 100 Jahren noch stationär gekauft werden.“ Die Strategie des aktuellen Geschäftsführers entspricht im Übrigen dem, was Geschichtsprofessor Tritschler in seinen Studien als Erfolgsgeheimnis des Unternehmens ausgemacht hat. „Es geht darum, die Tradition zu bewahren und sich trotzdem an aktuelle Entwicklungen anzupassen“, so Breuninger. Wie sehr sich das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten angepasst hat, zeigt der Geschäftsführer gern anhand eines Fotos auf. Auf dem Schwarz-Weiß-Bild sind Aufzugfahrer zu sehen, die bis in die 1960er Jahre hinein noch eigens vom Unternehmen angestellt waren.


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