Die Geschichtswerkstatt von Stuttgarter Zeitung und Stadtarchiv
Startseite
Werden Sie Chronist
Themen
Orte
Zeiten
 

Der 9. November 1938 in Stuttgart

1938

Bilder zum Thema





Liebe Nutzer von „Von Zeit zu Zeit“, zum 31. Dezember 2017 werden wir das Portal einstellen.
Vielen Dank für Ihr Verständnis
Ihre Redaktion

Anmelden


Möchten Sie auch Bilder beitragen oder Ihre Erinnerungen zu einem Thema aufschreiben? Hier geben wir Ihnen alle Informationen, wie „Von Zeit zu Zeit“ funktioniert.


Zeitliche Einordnung


Bilder hinzufügen

Sie wollen eigene Bilder zu diesem Thema hochladen?
Sie wollen einen Zeitzeugenbericht zu diesem Thema schreiben?

Foto: Stadtarchiv Stuttgart
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten auch in Stuttgart die Synagogen.

Dieses Bild interessiert 3 Chronisten


Dieses Thema interessiert 5 Chronisten


60 von 151 Synagogen oder Betsäle Baden-Württembergs brannten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ab. Zwei davon standen in der Stuttgarter Innenstadt und Cannstatt. Die Nationalsozialisten nannten die von oben inszenierten Ausschreitungen später die Reichskristallnacht.

Von Hilke Lorenz

Auch in Stuttgart brannten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Synagogen in der Innenstadt und in Cannstatt. Die Scheiben der Geschäfte, die in jüdischem Besitz waren, wurden auch in Stuttgart eingeschlagen. Auch in Württemberg war die Weisung an SA und SS ergangen, die jüdischen Gotteshäuser in Brand zu stecken. An die Feuerwehren war der Befehl ergangen, nicht die Synagogen, wohl aber die Häuser der Nachbarschaft vor den Flammen zu schützen. Was als der spontane Volkszorn, als Reaktion auf die Tötung des Legationsrats an der deutschen Botschaft am 7. November in Paris durch den 17-jährigen polnischen Juden Hershel Grynszpan ausgegeben worden war, war jedoch eine gezielte, von ganz oben organisierte und angeordnete Ausschreitung gegen jüdische Mitbürger. Die Reichspogromnacht markiert eine Verschärfung der nationalsozia­listischen Ausgrenzungspolitik gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe. Auf die rechtliche Ausgrenzung folgte nun für jeden sichtbar auch die gewaltsame Verfolgung. Noch in der Nacht des 9. November begann eine Verhaftungswelle.

Die Synagoge in der Hospitalstraße brannte lichterloh

Aus Stuttgart ist der Bericht einer Augenzeugin überliefert: „In Stuttgart war es gegen drei Uhr in der Frühe, als sich der mondbeschienene Himmel vom Flammenschein rötete. Die Synagoge in der Hospitalstraße brannte lichterloh. Mit der gewohnten Schnelligkeit ging die rasch an den Brandplatz geeilte Feuerwehr an ihre Arbeit, und aus vielen Strahlrohren ergossen sich die Wassermassen auf die benachbarten Gebäude.“

Auch die Synagoge in Cannstatt brannte. Die Stuttgarter Historikerin Maria Zelzer schreibt in „Weg und Schicksal der Stuttgarter Juden“, dass das Gebäude, das hauptsächlich aus Holz gebaut und nur mit Mauerwerk leicht verkleidet war, den Flammen keinen Widerstand bot. Nach dem Ablöschen des Brandes durch die Feuerwehr um 4.30 Uhr war von ihr nur noch ein kleiner rauchender Schutthafen übrig".

Die Furcht vor Verfolgung wuchs

Dennoch war der NS-Kurier mit Bereitschaft der Bevölkerung, an den Ausschreitungen gegen die jüdischen Mitbürger teilzunehmen, nicht zufrieden. Der Schreiber der folgenden Zeilen, versucht, seinen Lesern ins Gewissen zu reden: „Gerade in den letzten Tagen sind mir ein paar Menschen begegnet, die ein Jammern und ein Wehklagen wegen den Aktionen gegen die Juden anstimmten. Sie weinen den paar Schaufenstern jüdischer Spekulanten nach und trauern um die Synagogen. Sollte man es für möglich halten, dass es im Jahr 1938 noch solch verbohrte Menschen gibt! Wie viele, hauptsächlich Frauen, kauften noch in jüdischen Geschäften ein. Man sage mir nicht, dass es dort billiger sei! Bei dem Erzjuden Salberg floriert das Geschäft in der Königstraße. Solche Leichtsinnige! Man muss sich schämen!“

Maria Zelzer berichtet, dass es in Stuttgart in der Nacht, die die Nationalsozialisten in verharmlosender Absicht selbst Reichskristallnacht nannten, nicht zur Zerstörung von Privatwohnungen gekommen war. Aber die Drohung, dass es jederzeit dazu kommen könnte, hatten die jüdischen Bewohner sehr wohl wahrgenommen. Für manche war der Druck zu groß: Am 12. November nahmen sich der Lehrer Felix David und seine Frau Ruth das Leben. Mit ihnen starben ihrer beiden Söhne. Benjamin wurde zwei Jahre alt. Gideon hatte seinen ersten Geburtstag noch nicht gefeiert, als er starb.


Einen Zeitzeugenbericht der Stuttgarter Jüdin Gusti Schäfer finden Sie, wenn Sie auf das Klassenfoto oben rechts klicken; dann erneut auf das große Foto klicken.


Kommentare

von Gusti Schäfer, am 20.11.2008 22:44 Uhr

Ich bin HALBJÜDIN nicht JÜDIN!
Mit lieben Grüßlein Gusti Schäfer



Stuttgarter Zeitung
 
 
von Zeit zu Zeit