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Die Schulstraße im Wandel der Zeit

1920-2008

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Foto: Stadtarchiv Stuttgart
Vor dem Krieg noch heile Idylle: der Marktplatz mit Blick in die Schulstraße im Jahr 1931.

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Die Schulstraße ist eine der ältesten Straßen Stuttgarts und hat schon bessere, aber auch schlimmere Zeiten gesehen. Im Krieg ist die schmale Straße mit ihrem Kleingewerbe komplett zerstört worden. Heute nennt sie der Volksmund eher respektlos nur noch „Fressgasse“.

Von Matthias Ring

Vielleicht sollte mal wieder ein edler Ritter durch die Gasse reiten und nach dem Rechten sehen. Erwähnt wird eine der ältesten Straßen der Stadt nämlich erstmals in einer Stiftungsurkunde des Ritters Werner Nothafft von Hohenberg im Jahre 1425. In früheren Zeiten hat sie die Stadt jenseits des Großen Grabens, der heutigen Königstraße, mit dem Marktplatz verbunden. Damals war sie durch die Stadtmauer abgeschlossen, was aber als Missstand empfunden wurde, zumal außerhalb der Mauer schon die Obere Stadt mit dem Predigerkloster entstanden war. Daher wurde 1478 das Kloster- oder Schultörlein durch die Mauer gebrochen, damit die Bewohner der Innenstadt leichter zu den Gottesdiensten der Mönche kommen konnten. 1535 kam dann ein richtiges Tor mit einem Turm, auf den man einen Wächter setzte. Ebenso befand sich dort ein Raum, in dem die Verurteilten auf ihre Hinrichtung auf dem Marktplatz warteten.

Traditionsges­chäfte verschwinden

Doch das ist lange her. Heute ist die Schulstraße vor allem als „Fressgasse“ bekannt. Die meisten Traditionsgeschäfte sind nach und nach verschwunden. An ihrer Stelle haben sich Sonderpostenläden, Mobilfunkanbieter und eben Imbissstände in der schmalen Gasse breitgemacht. Längst vergessen ist der Aufruhr, als sich 1989 auch ein McDonald's hier niedergelassen hat.

Dabei hatten sich nach dem Krieg, in dem die Schulstraße völlig zerstört wurde, die alteingessenen Anlieger wieder aufgerafft und zuerst in provisorischen Buden und Baracken die Straße wiederbelebt. Später gründeten sie eine Aufbaugemeinschaft und ließen vom Städetbaulichen Institut ein Gutachten zum Wiederaufbau ausarbeiten. Richtig einig ist man sich zwar nicht geworden über Terrassenbauten, die sich ungünstig auf die Lichtverhältnisse im unteren Geschoss auswirken, aber dennoch: 1957 konnte nach der Kasseler Treppenstraße die zweite Fußgängerzone Deutschlands gefeiert werden.

Eine Sau im Dorf

Auch wenn die parallel gelegene Stiftstraße eine gegenteilige Entwicklung nehmen konnte und inzwischen mit Edelboutiquen glänzt: die Anziehungskraft der Schulstraße ist nach wie vor ungebrochen. Besonders an Samstagen ist hier die Fußgängerfrequenz so hoch, dass kaum ein Durchkommen ist. Vielleicht spüren ja viele immer noch die Geschichte und ihre Geschichten: als Schiller in der ehemaligen Geistlichen Herberge, dem späteren Korb-Mayer, betrunken gemacht wurde. Oder als vor der Brennmaterial­handlung Müller eine Sau gehalten wurde, mitten auf der Schulstraße mit der Hausnummer 14. Eugen Müller hatte sie in den 1920ern für eine Billion Mark erstanden, aber alsbald wieder verkauft, weil sich das Tier in der städtischen Umgebung dann doch nicht so sauwohl fühlte.


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