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Herr Hahn will zu Frau Henne....

Eingestellt von

Margit Lechtenboerger

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70376 Robinson Barracks, Stuttgart

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Foto: Margit Lechtenbörger
Wer Amerikaner war und nach dem Zweiten Weltkrieg von Stuttgart aus telefonieren wollte, landete automatisch früher oder später an der Strippe von Margit Lechtenbörger. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen hat sie jahrzehntelang in den Stuttgarter Robinson Barracks gestöpselt und Gespräche verbunden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die US-Militärs die Kaserne, die ab 1948 in die Robinson Barracks umgewandelt wurde, als Lager für Displaced Persons. Margit Lechtenbörger war dort von 1952 bis 1992 als Telefonistin angestellt. Nachtschichten von bis zu 16 Stunden waren damals keine Seltenheit. "Dieser Beruf hat mir trotzdem sehr viel Freude gemacht", sagt sie. Auf dem Foto ist sie mit einer befreundeten Kollegin zu sehen. Die Arbeitssprache war Englisch - kein Problem für Margit Lechtenbörger. Schließlich lebte sie zwei Jahre lang in Amerika, bevor sie nach Stuttgart zurückkehrte und die Stelle als Telefonistin antrat. "Das war schon spannend: wir hatten da zehn verschiedene Löcher, und jedes Mal ist eine andere Stimme rausgekommen", sagt sie. Spaßig sei es allemal gewesen. "Damit es nicht langweilig wurde, haben wir auch manchmal ein bisschen Schabernack getrieben. Eines Tages haben wir einfach so mal einen Herrn Hahn mit einer Frau Henne verbunden und gewartet, was so passiert" sagt sie und kichert noch heute bei der Vorstellung daran. Einmal habe sie einem jungen Amerikaner, der schon dreimal verzweifelt angerufen hatte und zu seiner Frau in Texas durchgestellt werden wollte, aus der Bredouille geholfen. "Der war ganz aufgeregt, weil er die Frau ncht errreichen konnte und hat immer nur wiederholt: 'die müsste doch so langsam mal daheim sein!' Ich habe ihn dann an die Zeitverscheibung erinnert und habe ihn drauf hingeweisen, dass seine Frau Nachmittags um 3 wahrscheinlich Besorgungen macht. Na, dem ist vielleicht ein Stein vom Herzen gefallen."

Heute hat sich das Gesicht der Robinson Barracks komplett verändert: 1993 gaben die USA den südlichen Teil des Geländes auf, was eine städtebauliche Entwicklung des Gebiets ermöglichte. Von 1996 bis 2006 entstand dort der neue Stadtteil Burgholzhof mit rund 3000 Einwohnern.

 

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