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Das Leben am Killesberg trotz Messe

Eingestellt von

"Katz" (Katja) Rothbart

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Ort

Menzelstr. 50, Stuttgart

Zeitzeugenbericht

Die Gartenschau - wie wir den Killesbergpark nennen – ist, bedingt durch Wohnorte und Arbeitsstätte, seit meinem 12. Lebensjahr Teil meines Lebens.
• „Damals“ gab es die Seilbahn noch. Während des Lichterfests erhielt jede Gondel ein kleines Laternchen. Später in der Dunkelheit schwebten dann kleine rote Punkte über einem im Nachthimmel.
• „Damals“ gab es den alten Aussichtsturm noch. In seinen letzten Jahren war er wegen seiner Baufälligkeit für den Publikumsverkehr gesperrt. So sind wir als Jugendliche über einen Baum auf das untere Dach geklettert und von da aus an der Außenleiter weiter bis unter die Aussichtsplattform.
• „Damals“ gab es schon Ponys, aber noch keine Esel. Die – ausschließlich - Ziegen hatten nur ein kleines Gehege mit einem Baumstamm darin.
• „Damals“ gab es den Spielplatz schon, aber nur die Rutsche aus Stein, ein Karussell und einige wenige Spielgeräte und es war alles sehr heruntergekommen. Dementsprechend wenig Menschen und vor allem Kinder im Gegensatz zu heute waren dort an den Nachmittagen und an den Wochenenden. Inzwischen ist er schön bunt und interessant, nicht nur für die Kleinen (oder sind Sie nachts noch nie in die Sterne geschaukelt?).
• „Damals“ als Jugendliche verbrachten wir Abende in den Holzhäuschen auf dem Spielplatz. Sie waren noch im Urzustand, kaum Farbe, sehr angegriffen. Wir stellten eine Kerze in die Mitte und saßen einfach nur darum herum.
• Damals gab es im Sommer auch schon einen Jahrmarkt. Er nannte sich Dimido. Dessen Besitzer wollte eigentlich nur dienstags, mittwochs und donnerstags arbeiten.
• „Damals“ gab es am Ausgang zum Killesbergfreibad noch eine weitere Lokalität, deren Namen mir entfallen ist.
• „Damals“ gab es für die Hunde noch keinen Leinenzwang. Mein Leihhund „Barko hat einmal fast einen Hasen erwischt, die es noch zahlreich gab.
• „Damals“ konnte man noch auf das „Zügle“ aufspringen. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich die Aufsichtsperson, die während der Arbeitszeit im letzten Wagen mitfahren darf.
• „Damals“ kostete der Eintritt noch Geld. Als Jugendliche hatte ich eine Dauerkarte. Sie kostete um die 10 DM. An jedem Eingang gab es Häuschen und es saßen Wärter mit grauen Uniformen darin, wie heute wahrscheinlich noch beim Lichterfest.
• „Damals“ gab es in der Freilichtbühne noch zwei Masten mit Körben obendrauf. Wahrscheinlich für Ton oder Licht. Ummantelt waren sie in meiner Erinnerung mit Schilfzäunen oder irgendetwas ähnlichem. Man konnte über eine Leiter hinaufsteigen, es sei denn, einer der "grauen Herren" hat einen erwischt. Auf den Steinstufen im Rund standen alte Holzbänke. Besonders beeindruckt hat mich ein dort stattfindendes Indianer-Pow-Wow.
• „Damals“ wurde hinter dem Höhencafe Killesberg der „Johannisnachtraum“ gespielt. So weit ich mich entsinne von drei verschiedenen Theaterensemble, eines davon war das Zimmertheater Tübingen. Es ging in den Abendstunden los. Das ganze Tal neben dem Höhencafe zum Tal der Rosen hin war mit Fackeln erleuchtet, zwischen den Bäumen waren Hängebrücken an Drahtseilen montiert. Oberon und Titania spielten, von einem Scheinwerfer angestrahlt, auf der Abbruchkante des Steinbruchs. Bei Nacht und Fackelschein sah man den „Puck“ durch das gespenstisch beleuchtete Tal toben; (nie mehr werde ich dieses Tal ohne "Puck" sehen können!).
• „Damals“ war die Messe noch auf dem Killesberg. Meine bevorzugte Messe als Jugendliche war natürlich die „Intergastra“. Die Aussteller waren sehr großzügig und frau konnte sich von der Suppe bis zum Eis durch die Messe essen. Als Nachbarin Eintritt gezahlt hat man nicht, der Weg führte über den Zaun. Auch Rockkonzerte fanden in den Messehallen statt wie z.B. von Genesis – damals noch mit Peter Gabriel -, von Ten Years Later (davor nannten sie sich noch Ten Years After) oder – ohne Rock – von Sweet.
Die Messe verbinde aber auch ich mit „Lärm, Verkehr und verstopften Seitenstraßen“. Als Anwohner(in) hatte und hat man als Parkberechtigung seinen „grünen Punkt“ im Auto, helfen tut es nicht wirklich. Ich erinnere mich, dass es an einem Messetag drei Autofahrer geschafft hatten, den Adolf-Fremd-Weg an seiner - damals noch vorhandenen - Kreuzung zur Straße „Am Kochenhof“ in seiner ganzen Breite zuzuparken.
Der Eingangsbereich der Messe sah noch ganz anders aus und es gab noch keine unterirdische Haltestelle und kein Parkhaus.
• „Damals“ stand auf der Wiese am „Adolf-Fremd-Weg“ noch kein Haus, sondern eine Bank, „s´Höfle“ entstand, ebenso gab es dort noch einen Briefkasten und einen ca. 40 m² kleinen Tante-Emma-Laden unter der Erde.
• „Damals“ wurde die Diskothek „Perkins Park“ erbaut. Somit hatte und hat man auch noch nachts „Lärm, Verkehr und verstopfte Seitenstraßen“, ebenso Abfall und leere Flaschen in den Gärten.
• „Damals“ hatten wir noch ein „Wiesle“ zum Fußball spielen. Heute steht dort das Seniorenheim „Haus auf dem Killesberg“. Die Tore bestanden aus Stöcken. Wenn der Torwart im Norden der Wiese mit einem sehr strammen Schuss überwunden werden konnte, musste man versuchen, den Ball vor seinem Weg bergab nach Feuerbach wieder einzufangen.
• „Damals“ wohnte in der Nachbarschaft Renate, heute Rekordnationalspielerin von Deutschland. Sie spielte noch nicht so lange Volleyball und wir frozzelten: bald sehen wir Dich im Fernsehen.
Und es wohnte dort Ralf, der später zusammen mit Peter Schilling „Major Tom (Völlig losgelöst)“ komponiert und gesungen hat („Neue Deutsche Welle“)
• „Damals“ gab es den unteren Teil der Gartenschau so noch nicht. Bevor Egelsee, VHS-Ökostation, Kräuterspirale usw. und vorübergehend eine Bahn auf Stelzen gebaut wurden, waren dort Schrebergärten und wunderschöne Wiesen. Es soll den Pirol und den Neuntöter gegeben haben, die sich nach Beendigung der Landesgartenschau „überraschenderweise“ nicht wieder angesiedelt haben.
• „Damals“ gab es dorthin noch keinen Bus und keine U7 und es gab noch keine direkte ÖPNV-Verbindung zwischen Killesberg und Doggenburg. Zu Fuß oder mit dem Rad war man schneller als mit dem „10er“ durch die ganze Stadt, z.B. zur Natureisbahn bei der Doggenburg (In der Nähe der Doggenburg stand das Haus des ehemaligen Oberbürgermeisters Klett. An seinem Schreibtisch sitzend lag einem die ganze Stadt zu Füßen). An den herzergreifenden Abschied von unserem alten 10er kann ich mich noch gut erinnern. Heute sieht man diese alten Bahnen nur noch im Stuttgarter Straßenbahnmuseum und bei den Oldtimerfahrten am letzten Sonntag eines Monats.

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