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Schulzeit und Begegnung mit dem König

Eingestellt von

Martin Gerlach
Martin Gerlach
am 30.12.2008

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Ort

Sillenbuch, Stuttgart

Zeitzeugenbericht

Eine Geschichte meiner Oma, die sie im September 1988 für das Mitteilungsblatt des Altersheimes Pilgerruhe in Nagold erzählte. Die Veröffentlichung hat sie nicht mehr erlebt, da sie am 20.9.1988 verstarb. 2 Tage nachdem sie nochmals mit der ganzen Familie und unserer Verwandschaft den 60sten Geburtstag meiner Mutter feiern konnte.

Meine Schulzeit/Zu König Wilhelms Zeiten
Als ich in die Schule ging, musste man viele Lieder und auch Gedichte auswendig lernen. Auch im Rechnen musste man das Einmaleins fehlerfrei aufsagen können. Meine Stärke war das Rechnen. Wenn der Lehrer einmal einen Fehler machte, habe ich mich gemeldet und es ihm vorgerechnet.
Vom Singen wollte ich allerdings nicht viel wissen.
Nachdem ich mit der Schule fertig war, habe ich das Geschäft meiner Mutter übernommen, es war ein Milchgeschäft. In meiner Schulzeit musste ich selbstverständlich schon mithelfen, die Milch zu verteilen. Viele Kinder freuten sich, wenn ich mit meinem Handwagen kam.
Als der Lehrer eines Tages die Kinder in der Schule fragte: „Wo kommt denn die Milch her?“, antwortete ein vorlauter Schüler: „Von Frau Schweitzer natürlich“.
Ein anderes Erlebnis war meine Begegnung mit dem König Wilhelm in Stuttgart, er hat mir sogar einmal geholfen, meinen Handwagen zu schieben.
In Stuttgart auf dem Karlsplatz war um 12 Uhr mittags Wachparade zur Wachablösung. Die Soldaten mussten 2 Stunden lang still stehen, durften keine Miene verziehen und niemanden unangemeldet in die Kaserne hineinlassen.
Einmal kam Prinzessin Pauline zu einer Wachparade. Sie sollte von den Soldaten gegrüßt werden. Die Soldaten grüßten jedoch nicht, worauf von hinten ein Major mit der Hand fuchtelte, damit die Soldaten ihr Versäumnis bemerkten. Ein Soldat der dies missverstand, machte die Prinzessin darauf aufmerksam und sagte: „Fräulein, da drüben winkt ihr Schatz“.

Meine Oma hatte zusammen mit ihren Schwestern Marie Lang und Mina Horan, den Milchhandel ihrer Mutter Marie Treiber, geb. Gohl, jede für sich mit einem eigenen Geschäft in Sillenbuch, weitergeführt. Bis zum 2. Weltkrieg wurde frühmorgens um 5 Uhr die Milch bei Milchbauern in Kemnat, Heumaden und Ruit gekauft und in großen 20 – 40 l Kannen auf einem Handkarren über den Bopser nach Stuttgart gebracht, um sie dort von Haushalt zu Haushalt, zu verkaufen.
Oftmals haben die Milchfrauen dort am Bopser König Wilhelm getroffen, der mit seinen „Spitzerhondla“ oft am Bopser spazieren ging. Gegrüßt wurde er mit „Grüß Gott Herr König“ und oftmals half er auch den Milchmädchen die schweren Karren zu schieben, so auch meiner Oma, wie sie uns oft erzählte.
Meine Oma war die letzte Milchhändlerin in Sillenbuch, die ihr Geschäft gesundheitshalber erst 1978 aufgegeben hat. Für die älteren Sillenbüchern war die Frau (Klara) Schweitzer vom Milchladen ein fester Begriff.

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