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DER STUTTGARTER WESTEN IM KRIEGSJAHR 1944

Eingestellt von

Wilfried Harthan
Wilfried Harthan
am 16.11.2008

Zugeordnetes Thema



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Ort

West, Stuttgart

Dieser Bericht ist folgendem Album zugewiesen:


Zeitzeugenbericht

Helgard Werthwein, geb. 1944 in Stuttgart, lebt heute in Ulm
Wilfried Harthan, geb. 1950 in Stuttgart, lebt heute in Dortmund

Der Stuttgarter Westen im Kriegsjahr 1944,
die Bäckerei Wagner in der Traubenstrasse 1,
die Toten und die Überlebenden der Familien Wagner, Werthwein und Harthan.

Vom 24. bis 29. Juli 1944 gab es vier Bombenangriffe auf Stuttgart, darunter auch auf den Stuttgarter Westen und die Traubenstrasse 1. Unsere Grossmutter, die Bäckersfrau Anna Wagner schilderte diesen Angriff in einem Brief vom August 1944 an ihre Verwandten in Ingelfingen bei Künzelsau. Aus deren Nachlass erhielt Helgard Werthwein diesen Brief 50 Jahre später.
(Bild 1)

ORIGINALBRIEF VON ANNA WAGNER ÜBER EINEN BOMBENANGRIFF IM JULI 1944:

Meine Lieben alle in der Heimat!

Von Luise den Brief erhalten, er ist vom 31. Juli, habe ihn erst am 11. August erhalten. Daß Ihr Euch um uns sorgt, das habe ich gespürt und hätte Euch so gern nur das eine mitgeteilt: Wir leben noch, aber es war keine Möglichkeit. Liese ist in Dagersheim fast verzweifelt, sie habe das Flammenmeer am Himmel gesehen, endlich ist Paul zu Fuß zu ihnen gewandert. Endlich bin ich seelisch wieder so weit, daß ich Euch diesen Angriff schildern kann.

Wir gingen wie bei jedem Alarm mit einem letzten Blick auf das verlassene Bett und unser Heim in den Keller. Da hatten wir auch den Drahtfunk, der alles mitteilte, wo die Flugzeuge und wie viele und in welcher Richtung, da weiß man genau, ob sie zu uns kommen oder nicht. Da kam die Schreckensnachricht: Viele feindliche Kampfflugzeuge nähern sich von allen Seiten unserer Stadt: Keller schließen, Ruhe bewahren. Herr Gott im Himmel, im Großangriff auf unsere Stadt. Alle sehen einander an, kein Ton kommt über die Lippen, die Männer setzen die Stahlhelme auf, Gasmasken, Tücher, Kerzen, Streichhölzer in der Hand stehen wir da. Die Flak schießt, was die Rohre hergeben. Wir liegen alle auf der Erde, Herr Gott, erbarme dich, mach es gnädig und kurz. Dein Wille geschehe. Nun Krach auf Krach, die Erde zittert, Schlag auf Schlag. Dazwischen der Krach der zusammenstürzenden Häuser, man meint immer, es sei das eigene. Unsere großen Schaufenster und Fenster und Fensterläden fallen auf die Straße, sind schon zum dritten Mal kaputt, jetzt gibt es nur noch Bretterverschläge an den Schaufenstern. An der Kellertüre rüttelt der Sturm, man meint, sie kommt herein. Wir waren 18-20 Personen, 4 kleine Kinder im Kinderwagen, die schrien, auch Emmis Helgard spürte die Unruhe und schrie fürchterlich. Emmi mußte sie aus dem Wagen nehmen und aufrecht stand sie allein, wir lagen auf der Erde. Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not.

Nun kommt eine kleine Pause, die Männer gehen hinauf, kommen nicht wieder, und es kam schon wieder eine Welle von Flugzeugen. Da schreit Onkel in den Keller: Alle Männer heraus, bei uns brennt der Dachstock, Eimerketten bilden. Unser Wasser ist bald verbraucht. Da kommt die Nachbarschaft und hilft mit, alles schreit: Bei Wagners brennts lichterloh! Das Wasser läuft nicht mehr, das elektrische Licht ist gleich am Anfang ausgegangen. Da stellt Herr Köder, Wäscherei, seine großen Wasserbottiche zur Verfügung und da werden sie Herr des Feuers. Ein Stock tiefer ist ein Zimmer ausgebrannt. Die Bettfedern fliegen brennend in der Luft. Während sie löschen, fallen zwei Brandbomben im Hof, eine auf die Ladenstaffel, eine schlägt ein Loch ins Trottowar, 5 Brandbomben liegen noch heute vor dem Haus, eine ist nicht explodiert. Wir hatten noch Glück, nur ein ...(?) Haus getroffen, sonst wäre nichts mehr da. Jetzt sehen wir erst die anderen Schäden. Der ganze Tiergartenweg ist kaputt. Die Kirche hat ihren 2. Turm verloren, daneben die Häuser ein Schutthaufen. Ein Rauch- und Flammenmeer ist die innere Stadt. Die Post in der Büchsenstraße und daneben eine Bäckerei ist ganz weg. 22 Personen verschüttet. Nach 7 Stunden als schon alle ohnmächtig waren, wurden sie ausgegraben, da haben sie erst an der falschen Stelle gegraben. Endlich hat Flaschner Hagel den richtigen Ausstieg angegeben.

Die in der Post waren schon alle tot, und so ein guter Keller, 37 Stufen gings hinunter. Sie waren alle tot. Viele von unseren Kunden kommen nimmer, sind tot. Keine ganze Kirche ...(?). Marktplatz ist ein Trümmerhaufen, ganze Straßen sind weg, man findet sich nicht mehr zurecht. Dann viele 100 Blindgänger und Zeitzünder, wo jetzt noch liegen, jede Stunde kracht es. Bei uns in der Nähe lag auch einer. Wir schliefen alle in Willi seinem Zimmer auf dem Boden, immer in Sorge, ob es loskracht. Endlich war er entsichert. Die Hölderlinklinik, wo Emmi war, ist auch ausgebrannt. Ich kann nicht alles schildern es regt mich zu sehr auf. In der Nähe von unserem Garten liegt schon 5 Wochen ein Blindgänger, da darf man nicht hinein. Unsere Beeren mußten wir über Feuerbach tragen (Blindgänger Lebensgefahr).

Bei diesem Angriff ist eine Bombe in den Garten gefallen und hat ein großes Loch gerissen, alles Obst unreif herunter. Wasser haben wir bis heute noch keines, wird mit Wagen von auswärts gebracht, kochen kann man auch nicht, mußten das Essen holen. Von uns bis Bahnhof ist keine Bäckerei, bis auf Doggenburg auch keine. Wir haben nur 2 Tage nicht gebacken und jetzt dieser Sturm auf Brot. Backen ohne Licht und Wasser mit offenem Schaufenster, d.h., mit Brettern vernagelt; ich war so erkältet. Emmi haben wir nach Schwieberdingen geschafft, und jetzt ist sie bei ihren Schwiegereltern. Sie fehlt mir so, habe nur das Pflichtjahrmädchen, die Enkelin von Frau Haug, konnte 2 Tage nicht kommen wegen Trümmer. Bei denen siehts auch so aus.

Noch einmal so einen Angriff überleben wir nicht, man hat nur einen Wunsch: Nicht verschüttet, sondern gleich tot und kein Krüppel. Weint nicht an unserem Grabe, gönnt uns die ewige Ruh, denkt, was wir gelitten haben, eh wir schlossen die Augen zu. Trotzdem denkt keins von uns daran, Stuttgart, d.h., die Trümmerstadt zu verlassen, solange wir ein Dach über dem Kopf haben. Onkel will und darf nicht fort, und ich halte bei ihm aus, bis ich obdachlos bin.

Laßt den Brief alle lesen, Familie Vogt, Marie und gebt ihn in die Ziegelhütte. Mein alter Bruder hat jetzt ausgejammert, das glaube ich. Ihr und er waren ohne Nachricht. In alter Liebe und Treue habe ich immer an Euch gedacht und konnte keine Nachricht geben, die viele Arbeit, und ist man tagelang von Sinnen und keines klaren Gedankens fähig. Ständig erfährt man neue Hiobsbotschaften. Ich kann nicht an jeden einzeln schreiben und möchte Euch doch noch alles erzählen. Aber da muß man erst wieder seinen Kopf beisammen haben.

Seit einigen Tagen haben wir wieder Licht und Radio. Telefon, das kann ein halbes Jahr dauern. Gas fehlt auch so, wenn man keinen Herd hat. Ich hab als den Ofen geheizt, daß ich kochen konnte. Rosa wird es auch interessieren, daß Föhl ganz kaputt ist. Nur in den äußeren Stadtteilen sind noch ganze Häuser. Die vielen Toten, wo noch unten liegen, Willi sagt, es rieche so nach Toten in der Stadt. Er hinkt immer noch, er ist nochmal operiert worden vor 6 Wochen.

Tot sind sicher viele, sie sagen, einige Tausende, da hat vielen ihr letztes Stündlein geschlagen, aber sie haben es überwunden, und wir wissen nicht, was wir noch alles durchmachen müssen, hoffentlich bleibt Ihr auf dem Land verschont. Auch in Dagersheim, wo Liese ist, ist der Bauernhof abgebrannt von Wilhelms Bruder.

Ich grüße Euch alle vielmals

Euere Tante [Anna Wagner] und Onkel [Wilhelm Wagner]


„NOCH EINMAL SO EINEN ANGRIFF ÜBERLEBEN WIR NICHT...“

Unsere Großmutter Anna Wagner sollte mit ihrer Vorahnung recht behalten. Der nächste Bombenangriff auf den Stuttgarter Westen war am 12. September 1944. Es war der schwerste Angriff auf Stuttgart überhaupt. Bei diesem Bombenangriff starben über 1000 Menschen.

Die Toten in unserer Familie waren Anna und Wilhelm Wagner, sowie deren Schwiegersohn Hermann Werthwein. Sie starben im Keller der Bäckerei Wagner in der Traubenstrasse 1 (Ecke Hegelstrasse).
(Bild 2, 3 und 4)

Ihre Tochter Emi Werthwein, geb. Wagner,
ihre Enkelin Helgard Werthwein und
ihr Sohn Wilhelm (Willes, Willi) Wagner,
nach schwerer Kriegsverletzung auf Genesungsurlaub in Stuttgart, überlebten den Angriff.
(auf Bild 5 von links nach rechts)

Ihre Tochter Anneliese (Liese) Harthan, geb. Wagner war mit ihren drei Kindern in Dagersheim bei Böblingen evakuiert. Von dort aus sah sie am 12. September 1944 den roten Himmel über dem brennenden Stuttgart. 1950 brachte sie ihren jüngsten Sohn Wilfried Harthan zur Welt.

Emi Werthwein hat nie über die Nacht des 12. September 1944 gesprochen. Sie starb 2004 mit 90 Jahren in Ulm. Nach ihrer Beerdigung kam es zu einem längeren Gespräch zwischen ihrer Tochter Helgard Werthwein und ihrem jüngsten Neffen Wilfried Harthan.

Dabei stellte sich heraus, dass unser Onkel Willes uns beiden von der Nacht des 12. September 1944 berichtet hatte, allerdings schon vor 30 bis 40 Jahren.

Wir haben seine beiden Berichte so gut wie möglich dokumentiert und später zu einem einzigen Bericht zusammengefasst. Er ist in indirekter Rede gehalten. Aussagen, an die wir uns wörtlich erinnern, sind GROSS geschrieben. Erläuterungen zum besseren Verständnis stehen in eckigen Klammern.


BERICHT VON ONKEL WILLES ÜBER DIE BOMBENNACHT DES 12. September 1944

Man sei, wie immer, nach dem Sirenenalarm in den Keller gegangen. Anfangs seien die Männer öfters draußen gewesen um zu schauen, ob das Haus Treffer erhalten hatte oder um zu löschen. Es sein dann bald klar geworden, dass es einen besonders schweren Angriff geben werde. Es sei dann alles sehr schnell gegangen. Später sprach er immer von einer Viertelstunde. Ihm sei sehr rasch klar gewesen, dass man den Keller verlassen müsse. Er habe gesagt: WIR MÜSSEN RAUS. Ein Luftschutzwart habe sich ihm in den Weg gestellt mit den Worten „ES WAR NOCH NICHT ENTWARNUNG. WIR BLEIBEN DRIN!“ Es habe eine Auseinandersetzung gegeben, in der er sich als junger Mann gegen den älteren und vermeintlich erfahreneren Luftschutzwart in Uniform nicht habe durchsetzen können. Sein Entschluss habe allerdings festgestanden: „ALSO ICH GEH RAUS!“ Er habe seine Eltern nicht überzeugen können, den Keller zu verlassen. Sein Schwager Hermann Werthwein habe gesagt: „ICH BLEIBE BEI DEN ELTERN.“ Onkel Willes habe den Korb mit dem Kind Helgard, DAS GESCHLAFEN HABE, genommen und den Keller verlassen.

Er sei noch GANZ GUT durchgekommen, obwohl schon ALLES GEBRANNT HABE. Er habe die ganze Zeit gedacht, warum jetzt auch noch ein solcher Sturm aufkommen müsse. “WARUM UM GOTTES WILLEN JETZT NOCH DIESER STURM!“ [Es handelte sich um den Feuersturm, was ihm in diesem Moment noch unbekannt war.] Er sei in das höher gelegene Gebiet [vermutlich im Bereich der Hölderlinstrasse] gekommen, wo es merkwürdig still und finster gewesen sei. Er sei in ein Haus gegangen, habe rechts hinter der offenen Haustür eine Tür geöffnet, da sei ein Bett gestanden, er habe Helgard in das Bett gelegt und sei dann sofort umgekehrt zurück zur Traubenstrasse UM DIE ANDEREN ZU HOLEN.

Da sei ihm Emi Werthwein, seine Schwester, SCHREIEND entgegenkommen: „WO IST MEIN KIND?! WO IST MEIN KIND?!“ Er sei wiederum umgekehrt und habe mit ihr zusammen vor Aufregung und wegen der Finsternis vergebens das Haus gesucht, wo er Helgard zurückgelassen hatte. Erst nach mehreren Versuchen hatten sie es gefunden. Er sei wiederum umgekehrt und zurückgelaufen, UM DIE ANDEREN ZU HOLEN. Und dann sei er „NICHT MEHR DURCHGEKOMMEN“, er sei „EINFACH NICHT MEHR DURCHGEKOMMEN“.

Emi Werthwein sagte, und das war das Einzige, was wir je von ihr zu dieser Nacht gehört haben, sie sei zur Hölderlin-Klinik gelaufen, dort seien Schwester Hildegard, die Hebamme, die 7 Monate zuvor bei Helgards Geburt geholfen hatte, und viele Frauen mit Kindern und Säuglingen und Schwangere gewesen. Dort sei sie untergekommen.

Onkel Willes berichtet, er sei am nächsten Tag zur Traubenstrasse 1 vorgedrungen. Die Häuser seien auf die Strasse gestürzt gewesen, einzelne seien stehen geblieben, die Strassen seien teilweise geräumt gewesen, es habe noch gebrannt, die HITZE SEI GROSS gewesen und der GERUCH SEHR STARK. Die Bäckerei habe es nicht mehr gegeben. Auf einem freien Platz seien die Leichen nebeneinander gelegen. Er habe KEINE VERLETZUNGEN erkennen können. Sie hätten friedlich ausgesehen WIE SCHLAFENDE. Er habe sich über die rosige Hautfarbe gewundert.
[Dies ist ein geradezu typisches Symptom für eine Vergiftung mit Kohlenmonoxid, einem geruchlosen Gas, das bei dem Brand entstanden ist, sich in den tiefergelegenen Kellern gesammelt und zu einem sofortigen Bewusstseinsverlust geführt haben muss. Uns bleibt so der Trost, dass unsere Verwandten einen sanften Tod hatten.]

Er habe Hermann Werthwein, seinem Schwager und seiner Mutter, Anna Wagner DIE RINGE ABGEZOGEN. Der Ring seines Vaters, Wilhelm Wagner, sei nicht vom Finger zu lösen gewesen.

Auf dem Steinhaldenfeld-Friedhof habe er sich nicht mit dem Lageplan zufrieden gegeben, sondern auf eine Öffnung der Särge, die neben all den anderen in einem frisch ausgehobenen Massengrab standen, gedrängt. Wilhelm Wagner und Hermann Werthwein seien an der im Lageplan verzeichneten Stelle gewesen, die Frau im Sarg neben seinem Vater Wilhelm Wagner sei allerdings nicht seine Mutter Anna Wagner gewesen. Zum Ärger der Beamten habe er auf der Öffnung weiterer Särge bestanden und damit den wirklichen Bestattungsort von Anna Wagner herausgefunden. Eine Umbettung der Särge sei nicht mehr vorgenommen, aber die Namen korrekt auf dem Lageplan vermerkt worden. Alle 3 Toten aus unserer Familie liegen wirklich unter den entsprechenden Grabplatten.
(Bild 6, 7 und 8)

Gleichzeitig mit dieser Schilderung der Nacht des 12. September 1944 berichtete Onkel Willes über einen Kinobesuch zusammen mit seinem Vater, einige Jahre zuvor. Da gab es einen Wochenschaubericht über die Bombardierung einer europäischen Stadt durch die deutsche Luftwaffe, die im üblichen NS-Propagandaton gefeiert wurde. Der Kommentar unseres Grossvaters dazu war : „O, WEMMER DES NET AMOL BIASA MISSET“ („O, wenn wir das nicht einmal büßen müssen“).

Damit machte Onkel Willes klar, dass er sein persönliches Leid in einem grösseren historischen Zusammenhang sah. Wir können uns nicht an irgendwelche hasserfüllten Worte gegen die Briten erinnern. Der Krieg, der am 12. September 1944 mit aller Brutalität über Stuttgart und unsere Familie hereingebrochen ist, dieser Krieg ist von Deutschland ausgegangen; und die Städte der Anderen habe zuerst gebrannt. Unser Onkel Willes war sich darüber immer im Klaren und das ist gut so.


DIE BÄCKEREI WAGNER IN DER TRAUBENSTRASSE 1

Die nähere Umgebung der Traubenstrasse war fast vollständig zerstört. Im Rahmen des Wiederaufbaus in den 50er Jahren wurde auch die Strassenführung verändert.

1944 kreuzte die Traubenstrasse die Seidenstrasse und mündete schräg gegenüber der Russischen Kirche in die Hegelstrasse. Im Eckgebäude Traubenstrasse 1 war die Bäckerei Wilhelm Wagner.

Heute endet die Traubenstrasse bereits an der Seidenstrasse. Die Einmündung in die Hegelstrasse und ein Eckgebäude Traubenstrasse 1 gibt es nicht mehr. Die Hausnummern der Traubenstrasse beginnen heute mit 9.

Bäckerei Wilhelm Wagner, Traubenstrasse 1 vor dem 12. September 1944
(Bild 9 und 10)

Bäckerei Wilhelm Wagner, Traubenstrasse 1 nach dem 12. September 1944
(Bild 11 und 12)

Hegelstrasse im Jahr 2005 auf der Höhe der früherenTraubenstrasse 1
(Bild 13 und 14)

(Bild 15)
Wilfried Harthan:
Ich erinnere mich an die Ruine der Bäckerei meiner Grosseltern in der Traubenstraße 1, wo ich in den Fünfzigerjahren als kleiner Junge zusammen mit meinen Eltern und meinem Bruder war. Er machte mich auf die ca. 5 x 5 cm großen blauen Plättchen aus der ehemaligen Backstube aufmerksam, die noch überall auf dem Grundstück verstreut lagen. Ich sammelte sie begeistert zusammen und brachte sie zu meiner Mutter, die zu meinem völligen Unverständnis anfing zu weinen. Die Plättchen lagen viele Jahre in meiner hölzernen Spielzeugkiste. Eins davon habe ich später aufgehoben. Es liegt heute noch auf meinem Schreibtisch.

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