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Das Bolschoi-Ballett in Stuttgart

Eingestellt von

Veronica Schäffer
Veronica Schäffer
am 13.10.2008

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Stuttgart



Zeitzeugenbericht

1965 - seit gerade mal vier Wochen machte ich meine Ausbildung zur Theaterfotografin bei einem der bekanntesten Fotografen Stuttgarts, Werner Schloske. Das sollte damals mein Traumberuf werden.

Es hatte sich das Bolschoi-Ballett zu einem dreitägigen Gastspiel bei der Württembergischen Staatsoper angesagt und mein Chef hatte Bestellungen von fotografischem Material über dieses große Kulturereignis aus der ganzen Welt.

Und dann geschah das Unfassbare: zwei Tage vor Ankunft der Truppe aus Moskau fiel mein Lehrmeister in eine fünf Meter tiefe Baugrube in der Innenstadt und brach sich dabei drei Rippen. So lag er denn in seinem Atelier stöhnend und nach Luft ringend auf dem Kanapee und eröffnete mir, seinem Lehrling, dass ich nun die Fotos fertigen müsse. Das hieß, drei Abende lang, an der Seite der großen Bühne im Opernhaus von 19-23 Uhr Fotos zu schießen, anschließend ins Labor zu fahren, die jeweils 12-15 Filme dieses Abends, damals waren es noch 6 x 6 Rollfilme, mit der Rolleiflex gemacht, zu entwickeln, diese dann über den Rest der Nacht trocknen zu lassen und am nächsten Morgen, pünktlich um 8 Uhr, mit dem stöhnenden und ächzenden Lehrherrn als Unterstützung an meiner Seite, Abzüge zu fertigen. Drei wirklich aufregende Tage und Nächte für mich.

Doch zuvor, am Tag der Ankunft der Ballett-Truppe auf dem Flughafen in Echterdingen, gelang es mir, als einzige Fotografin von Stuttgart, Probenfotos zu schießen. Eines dieser Bilder zeigt die beiden damaligen Primaballerinen und Aufnahmen aus den Probenräumen der Tänzerinnen.

Es war eine Herausforderung und ein tolles Erlebnis für mich als junge Frau, gerade aus der Schule entlassen und noch voller Tatendrang - und es war erfolgreich. Als ich am Morgen des fünften Tages zum ersten Mal ein wenig ausgeschlafener, zu meiner Lehrstelle kam, lagen alle Fotos, die Früchte meiner viertägigen Arbeit, auf dem Boden des Ateliers in der Birkenwaldstrasse verteilt - mein Lehrherr lag strahlend und glücklich daneben. Er konnte schließlich all seine Auftraggeber zufrieden stellen und alle Fotos verkaufen.

Dass mein Lebensweg danach eine völlig andere Richtung eingeschlagen hat, ich Mutter von drei Kindern und Frau eines Architekten wurde und danach mich mehr auf Kinder- und Portraitfotografie verlegte, ist meine persönlich Lebensgeschichte, die ich heute nicht vermissen möchte.

Veronica Schäffer

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