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Zeitzeugenbericht

Ein Brief eines Kommandeurs an die Angehörigen eines gefallenen Soldaten

Sehr geehrter Herr Hoch!
Im Südosten 27.9.43

Ich muss ihnen die traurige Mitteilung von dem wahrscheinlichen Heldentod Bruders, meines hervorragenden und tapferen Obergefeierten Friedrich Hoch machen. Ich bin Ihnen in Jahren schweren Leid mit meiner ganzen Kompagnie innig verbunden, habe ich doch in Ihrem Bruder einen meiner alten, in vielen schweren Kämpfen aufs Beste bewährten Soldaten verloren. In den schweren Kämpfen auf den Fels- und Eisgraten des Kaukasus war er einer meiner erfolgreichsten und schneidigsten Gruppenführer. Er war der immer frohgemute Kamerad, der nie den Kopf hängen ließ und der wegen seinen fürsorglichen Kameradschaft und seiner Einsatzfreudigkeit bei allen Kompagnieangehörigen beliebt und geschützt war.

Nun hat er kurz vor seiner Kommandierung an einem Offizierslehrgang sein junges Leben für unser geliebtes Vaterland gelassen. Am 24.9.43 begleitete er mich auf einer kurzen Versorgungsfahrt mit einem kleinen Fischkutter. Bei der Rückfahrt kurz bevor wir in unseren Hafen einliefen, wurden wir von feindlichen Tieffliegern angegriffen. Ein Verlassen des Bootes war bei dem überraschenden Angriff nicht möglich. Jeder schmiegte sich, so gut es ging, an die kleinen Deckungen, die uns die Bootsaufbauten boten. Zweimal flogen die beiden Feindflieger an. Dann hatten wir, drei Mann, die unverwundet geblieben waren, alle Hände voll zu tun, unsere Kameraden zu verbinden. Erst als die Schwerverwundeten versorgt waren, merkten wir, dass unser lieber Frieder fehlte.

Ob er schon vor dem feindlichen Beschuss das Boot verlassen hat und im Wasser getroffen wurde, oder ob er tödlich getroffen ins Wasser gestürzt ist, weiß niemand. Bei dem Lärm und Krachen des Angriffes und dem Rufen der Verwundeten hat niemand etwas beobachten können. Sofortiges Absuchen der Wasserfläche und des ganzen Strandes und auch das weitere Suchen an den folgenden Tagen bis heute verlief ergebnislos. Ich hoffe jedoch, dass wir unseren Frieder noch finden werden und dass wir ihm die Ehre erweisen können, die wir ihm, unserem unerschrockenen und frohgemuten Kämpfer, schuldig sind.

Sein Tod für unser geliebtes Vaterland ist uns Verpflichtung in allen kommenden Einsatzen. Möge Ihnen die Gewissheit, dass er einer schneidigsten und tapfersten war, und dass er in den Herzen seiner Kameraden weiter leben wird, ein kleiner Trost sein. Ich werde Sie verständigen, sobald wir unseren toten Kameraden gefunden haben, wenn sonst irgendwelche Anhaltspunkte gefunden sind. In Ihrem schweren Leid grüsse ich Sie im Namen meiner ganzen Kompagnie.
Ihr Wilh. Baerend

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